Pro Ren – Hamster kann ja jeder

12 Dez

Jeder kennt die dezent rot-leuchtenden Hinweisschilder. „Hunde verboten“.  Haben Sie einen Hund bei sich, dürfen Sie nicht in den Supermarkt, nicht in Restaurants, nicht ins Schokoladenmuseum. Sie dürfen nicht auf Friedhöfe, in den Zoo und auch auf der Neugeborenenstation sind Sie nicht gern gesehen.

Was an dieser Stelle auffallen sollte: Es gibt keine Rentierverbotsschilder. Rentiere sind offenbar überall gern gesehene Gäste. Warum auch nicht? Sie haben einige unbestreitbar wundervolle Eigenschaften.

Man denke nur an ein allgegenwärtiges Problem: Wir produzieren zuviel CO2. Ersetzte man die tägliche Fahrt zur Arbeit, in die Uni oder zum Schokoladenmuseum (Denken Sie daran – das dürfen Sie ja jetzt betreten!) durch einen entspannten Ritt auf seinem persönlichen Rentier  – unsere Umwelt wäre um einiges sauberer. Natürlich könnte man entgegenhalten, dass Rentiere (wie auch Kühe) durch gewisse Körperöffnungen CO2 freisetzen aber selbst einem äußerst flatulenzanfälligen Exemplar können sie ruhigen Gewissens eine grüne Abgasplakette auf die Stirn drücken.

Auch das Geweih eines Rentiers bietet dem Halter einige Vorteile, die andere Haustiere einfach nicht zu bieten haben. Oder haben Sie schon einmal erfolgreich versucht, Ihre Wäsche zwischen den Ohren Ihres Hamsters zu trocknen? Ich halte das für nicht sehr erfolgsversprechend! Sollten Sie ein eher klein gebauter Mensch sein, könnten Sie sogar versuchen, eine Hängematte zwischen den Hörnchen Ihres Rentiers zu spannen. Es gibt wohl keine komfortablere Art zu reisen.

Ein Rentier garantiert außerdem die Einhaltung eines beliebten Neujahrsvorsatzes: „Im nächsten Jahr mache ich endlich mehr Sport“. Immerhin muss auch ein Rentier mal Gassi. Rentiere reisen auf der Suche nach Futter bis zu 5000 km durch Tundra und Taiga. Mit dem ausdauerndsten Joggingpartner, den man sich vorstellen kann, sollte es doch wohl ein Leichtes sein, die morgendliche Laufstrecke von 2,12 km auch im Winter ehrgeizig zu absolvieren. Ein Ansporn für regelmäßigen Sport sollte auch das Wohl Ihres Rentiers sein. Immerhin möchten Sie nicht, dass es beim nächsten Ritt zum Supermarkt durchbricht!

Der Supermarkt! Auch hier lassen sich einige Vorteile eines Rentiers einfach nicht verleugnen.

Einkaufen bedeutet Stress.

Parkplatz suchen.

Auto verschließen.

Pfandflaschen im Auto vergessen.

Einkaufswagen holen.

Pfandflaschen aus dem Auto holen.

Einkaufen.

Einkaufswagen zum Auto schieben.

Den Eindruck erwecken, man hätte nicht gemerkt, dass man gegen das Auto in der benachbarten Parklücke gerollt ist.

Einkaufswagen entleeren.

Einkaufswagen zurückbringen.

Wieder zum Auto laufen.

Mit einem Rentier würde dieses ungeliebte Ritual der Vergangenheit angehören. Pfandflaschen lassen sich bequem ans Geweih binden. Die Einkäufe werden ganz einfach in riesigen Satteltaschen verstaut. Omas & Opas werden, sofern sie nicht angesichts des Rentiers eine erstaunliche Vitalität entwickeln und aus dem Weg hechten, einfach zur Seite geschoben. Sollten Sie Ihr Rentier dann noch mit einem respekteinflößenden Stachelhalsband ausstatten, ist Ihnen sogar der erste Platz in der Kassenschlange sicher.

Sie denken jetzt sicher: „Aber die Kosten!“ – ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. An dieser Stelle sollten Sie aber auch einen Blick auf die Verdienstmöglichkeiten, die sich Ihnen mit einem Rentier eröffnen, werfen. Vor allem in der Weihnachtszeit ist ein eigenes Rentier eine wahre Goldgrube. Tausende Familien sind verzweifelt auf der Suche nach Studenten ohne Selbstachtung, die sich Kissen unter ein billiges Weihnachtsmannkostüm stopfen und mit einem halbherzig geplärrten „Ho-Ho-Ho“ den gierigen Nachwuchs mit Geschenken versorgen. Mit einem Rentier könnten Sie den gesamten Weihnachtsmannmarkt aufmischen. „Ich bringe mein Rentier mit“ – mit diesem Satz kicken Sie garantiert jeden Studenten aus dem Rennen.

Eine weitere Einnahmequelle sind Touristenfotos. Menschen lieben Touristenfotos und was Goofy kann, können Sie und Ihr Rentier doch schon lange. Stellen Sie sich in ein Einkaufszentrum Ihrer Wahl (das Rentier festlich mit Lametta verziert) und Sie werden sich vor Kunden gar nicht retten können.*

Rentiere sind exotisch. Sie spenden mehr Wärme als Meerschweinchen. Sie sind platzsparender als Elche (Während man Elche durchaus als fett bezeichnen könnte, sind Rentiere mit einer Schulterhöhe von etwa 140 cm und einem Gewicht von höchstens 350 kg gewissermaßen die Handtaschenvariante.) und spannender als Rennmäuse.

Großartiger als Rentiere sind eigentlich nur noch Katzen aber das ist eine ganz andere Geschichte.

*[Hierbei sollten Sie Vorsicht walten lassen. Rentiere sind äußerst scheue Wesen und könnten bei zuviel Publikumskontakt riskante Fluchtversuche wagen. Ein entlaufenes Rentier einzufangen, wird Sie den Rest des Winters beschäftigen – von Schadensersatzforderungen der ortsansässigen Gemüsehändler rede ich lieber gar nicht.]

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