Versteh ich nicht, möchte aber auch eine Wurst.

9 Jul

 Es gibt sie – diese Fragen, die einfach niemand gern beantwortet.

-„Wie ist das denn jetzt mit dem Hund und dem Ei?“

-„Sophie, was macht der Wal in der Badewanne?“

-„Wer denkt sich denn bitte so einen bescheuerten Titel aus?“*

-„Was macht man eigentlich auf Twitter?“

Oh hey, da war sie: „Was machst du eigentlich auf Twitter?“ Trommelwirbel. Die Pupillen verengen sich. Ich ziehe den rhetorischen Revolver. Ich rechtfertige. Ich versuche zu begeistern. Ich erzähle von Öpve, Nutella, Mett, dem Tatort und Mems. Ich rede über Einhörner, Prokrastination, DMs; über Gespräche, die so voller Wortwitz sind, dass es dich fast erschlägt.

Früher.

Ich habe aufgegeben.

Offensichtlich veranlassen sämtliche Erklärungsversuche die Hälfte meiner Bekannten dazu, mich für total verrückt oder wenigstens ultimativ gelangweilt zu halten. Ich werde darüber belehrt, wie gefährlich so eine virtuelle Welt sei. Man verschwende seine Zeit und  und am Ende seien es doch alles nur Trucker. Die verständnisvollere Hälfte fragt , ob ich vielleicht darüber reden möchte nach dem Link zu meinem Account. „Meinen Twitternamen? Nein, den möchte ich euch nicht verraten. Das ist mir zu privat.“ Womit sich die Sache mit der „verständnisvolleren Hälfte“ eigentlich auch ziemlich schnell erledigt hat.

Twitter ist voller Menschen, die eindeutig in meiner Schulzeit gefehlt haben und voller Bots, denen wir gemeinsam in der Pause ihr Nutellabrot abgenommen hätten. Es wimmelt nur so von Lyrikern, Zynikern, Träumern, „Irgendwas mit Medien“-Machern, Katzen, Berlinern, Herz- und Kopfmenschen, meinen Zweit-, Dritt- und Viertaccounts und diesen schrecklichen Kreativen, die mehr zu fesseln vermögen, als alles, was den Literaturmarkt überschwemmt. Das Beste ist aber, dass diese Menschen in 140 Zeichen mehr von ihrer (zugegebenermaßen oft vollkommen verdrehten und irgendwie bedenklichen) Gedankenwelt preisgeben als andere in einem meterlangen Facebookprofil.

Wenn mich also das nächste Mal jemand fragt, was ich denn so auf Twitter mache, werde ich wohl schnell eine Katze fangen, ihr eine Möhre auf die Stirn kleben, sie mit Nutella und Glitzerstaub einreiben und glücklich Richtung Sonnenuntergang spazieren.

———-

 *Lieber @souslik, leider bin ich absolut gegen den Versand von Wurstwaren und noch viel mehr gegen den Versand von Wursttieren. Aber ich schenke dir hiermit einen eigenen Blogeintrag. Das ist doch auch was, mh?

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7 Antworten to “Versteh ich nicht, möchte aber auch eine Wurst.”

  1. gertjeedelmann 07/09/2011 um 11:57 AM #

    Hund und Ei? Die Frage hätte ich auch gern mal beantwortet gehabt.

  2. Marie von den Benken 07/09/2011 um 12:08 PM #

    Hast Du mich gerade Trucker genannt?

  3. costella 07/09/2011 um 2:39 PM #

    Sind wir nicht alle ein bisschen Trucker, auf dem Internet Highway?

  4. souslik 07/09/2011 um 11:17 PM #

    Oh … ich ähh … danke … aber … also … kriege ich jetzt eine Wurst oder nicht?

    • Sushi Surround 07/09/2011 um 11:29 PM #

      Hier in Hamburg gibts hervorragende Würstchen. Du weisst also, was zu tun ist.

      • souslik 07/09/2011 um 11:43 PM #

        Das wirst du noch bereuen.

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